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Brahms: Violinkonzert D-Dur

Johannes Brahms war zeitlebens von der Mentalität der Hamburger und seiner holsteinischen Vorfahren geprägt. So wirkte er selbst Freunden gegenüber oft ernst und verschlossen, und zahlreiche seiner Werke zeigen einen melancholisch-düsteren Charakter. Das Violinkonzert jedoch zählt zu den freundlichen und eingängigen Werken des Komponisten. Es ist Joseph Joachim gewidmet, der nicht nur unter Brahms' Leitung die Uraufführung am 1. Januar 1879 im Leipziger Gewandhaus spielte, sondern auch die Kadenz für den ersten Satz komponierte. Doch auch während der Entstehung des Konzertes spielte Joachim eine bedeutende Rolle. Wie schon oft, seitdem Brahms und Joachim bei ihrer ersten Begegnung im Mai 1853 in Hannover den Grundstein ihrer lebenslangen Freundschaft gelegt hatten, war Brahms die fachkundige Meinung des Freundes wichtig, und so entspann sich ein reger Briefwechsel.

Auch nach der Uraufführung war die Arbeit am Violinkonzert für Brahms noch nicht beendet. Für den bevorstehenden Druck erbat er im März 1879 erneut Joachims Rat: "Sehr begierig bin ich, wie häufig und wie energisch sich hernach Deine Handschrift in Partitur und Stimme zeigt, ob ich 'überzeugt' sein werde oder noch einen anderen fragen muss - was ich nicht gern täte. Ist das Stück denn, kurz gesagt, überhaupt gut und praktisch genug, dass man es drucken lassen kann?" Interessanterweise hat Brahms von Joachims Änderungsvorschlägen, die sich hauptsächlich auf spieltechnische Schwierigkeiten bezogen, nur wenig Gebrauch gemacht; offensichtlich war er nicht immer "überzeugt", fragte aber auch keinen anderen, sondern entschied selbst.

Trotz der immensen Schwierigkeiten ist das Werk kein Virtuosen-Konzert. Vielmehr hat sich Brahms hier am Violinkonzert von Beethoven orientiert: Beide Werke verbindet neben derselben Grundtonart ein Kopfsatz, der die lyrische Stimmung des Beginns auch im weiteren Verlauf weitgehend beibehält. Ähnlich sind zudem die Proportionen beider Werke mit einem ersten Satz, der länger ist als die beiden folgenden Sätze zusammen, und schließlich die enge Verflechtung von Solopart und Orchester, wobei manchmal sogar der Solist das Orchester begleitet. Das Adagio zeigt mit seiner idyllischen Grundstimmung eine Verwandtschaft mit dem Adagio der zweiten Symphonie, und das stürmische Finale verbreitet eine Vitalität von geradezu ungarischem Temperament. [Dr. Wolfgang Doebel]

Johannes Brahms

* 7. Mai 1833 in Hamburg
13. April 1897 in Wien

Violinkonzert D-Dur

Entstehung  Sommer 1878 in Pörtschach am Wörthersee
Widmung  Dem Geiger Joseph Joachim gewidmet, mit dem Brahms eng befreundet war
Uraufführung  1. Januar 1879, Leipzig, 11. Abonnementskonzert des Gewandhausorchesters, Violine: Joseph Joachim, Leitung: Johannes Brahms
Erstdruck  Verlag Simrock, Oktober 1879
Spieldauer  Ca. 40 Minuten

Brahms Violinkonzert D-Dur erleben Sie in diesem Konzert

Donnerstag, 04. März 2010
3. VielHarmonie     19.30     Laeiszhalle, Großer Saal
Dirigent:
Peter Ruzicka

Patricia Kopatchinskaja, Violine
Ruzicka
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