

Gerhards Werk hat im Laufe seines über 70 Jahre langen Lebens mehrere Entwicklungsstufen durchlaufen. Begann er mit spätromantisch-impressionistischer Musik und fühlte er sich in den Zwanzigerjahren dem Kreis um Schönberg verpflichtet, fand er erst nach dem Zweiten Weltkrieg zu seinem eigentlichen Stil, indem er Avantgarde-Techniken wie serielle oder elektronische Musik mit den Traditionen seiner spanischen Heimat verband.
Den Cancionero de Pedrell komponierte Gerhard anlässlich des 100. Geburtstages seines alten Lehrers Felipe Pedrell (1841-1922), der als Vater der spanisch-katalanischen Nationalmusik und Begründer der spanischen Musikwissenschaft gilt. Neben Roberto Gerhard gingen auch Isaac Albéniz, Manuel de Falla und Enrique Granados aus seiner Schule hervor. Pedrell komponierte neben Opern, Chorwerken und Salonmusik auch zahlreiche Zarzuelas, die spanische Form der Operette mit originalen Volksliedern und populären Schlagern.
Die Melodien der acht Lieder des Cancionero entnahm Gerhard Pedrells 1902 komponierter vieraktiger Oper La Celestina. Die Lieder, die Pedrell in verschiedenen Regionen Spaniens gesammelt hatte, handeln vom Glück und Unglück der Liebe. Gerhard stellte die einzelnen Strophen neu zusammen und bewahrte durch seine Bearbeitung den typischen Tonfall spanischer Volksmusik. [Dr. Wolfgang Doebel]
Roberto Gerhard
* 25. September 1896 in Valls (Katalonien)
† 5. Januar 1970 in Cambridge
Cancionero de Pedrell
Entstehung 1941/42
Besetzung Kammerorchester mit Schlagzeug, Harfe und Klavier
Widmung Der Schweizer Sopranistin Sophie Wyss gewidmet
Uraufführung 17. Oktober 1942, London, Wigmore Hall, Sopran: Sophie Wyss, Leitung: Leslie Bridgewater
Erstdruck Keith Prowse Music Publishing Co. Ltd., London 1957
Spieldauer Ca. 18 Minuten