

Alberto Ginastera war einer der bedeutendsten und einflussreichsten Komponisten Lateinamerikas im 20. Jahrhundert. 1916 in Buenos Aires geboren, studierte er in seiner Heimatstadt und begann seine Karriere bereits 1937 mit der Uraufführung einer Ballettsuite. Vier Jahre später erhielt er eine Professur am nationalen Konservatorium in Buenos Aires und begann damit seine zweite Karriere als Pädagoge, die 30 Jahre andauern sollte und Studenten nicht nur aus Südamerika und den USA, sondern aus vielen Ländern der restlichen Welt nach Argentinien zog. 1958 begründete Ginastera als Dekan der Fakultät für musikalische Kunst und Wissenschaft an der katholischen Universität in Buenos Aires die argentinische Musikwissenschaft, und als Direktor des Lateinamerikanischen Zentrums für höhere musikalische Studien holte er in den Sechzigerjahren namhafte Komponisten als Gastdozenten nach Argentinien. 1971 zog Ginastera mit seiner zweiten Frau nach Genf, wo er sich ganz dem Komponieren widmete. Dort starb er am 25. Juni 1983.
Schon früh begann Ginastera sich mit Zwölftonmusik, dem Zufallsprinzip der Aleatorik sowie mit John Cage und dessen radikalem Bruch mit der Tradition zu beschäftigen. Daneben fühlte er sich den argentinischen volkstümlichen Musiktraditionen verpflichtet. Ein gutes Beispiel dafür ist das Harfenkonzert, das Ginastera 1956 in Buenos Aires im Auftrag der US-amerikanischen Harfenistin Edna Phillips komponierte. Wie die übrige Musik Ginasteras kann es seine lateinamerikanische Herkunft nicht verbergen. Schon die Schlagzeugbesetzung spricht für sich, denn neben eher traditionellen Instrumenten wie große Trommel, Becken und Xylophon werden auch exotische wie Tom-Toms, Kuhglocken und Bongos verwendet. Zudem ist die Musik in den schnellen Passagen betont rhythmisch. Häufige Taktwechsel und der Gebrauch mehrerer Taktarten zur selben Zeit sind nicht selten und erinnern gleichsam an Strawinsky wie an südamerikanische Tanzmelodien. In der Tradition europäischer Musik steht die Form: Auf einen schnellen Satz mit einem bewegten Anfangsteil, einem sehr lyrischen zweiten Thema und einem durchführungsartigen Mittelteil mit kurzer Solo-Kadenz folgen langsamer Satz und schnelles Finale. Diesem Finale ist eine lange Kadenz der Harfe vorangestellt, die dem Solisten Gelegenheit gibt, wie in einer freien Improvisation alle Klangregister seines Instruments zu präsentieren. [Dr. Wolfgang Doebel]
Alberto Evaristo Ginastera
* 11. April 1916 in Buenos Aires
† 25. Juni 1983 in Genf
Harfenkonzert Op. 25
Entstehung 1956 in Buenos Aires
Besetzung Großes Orchester mit Schlagzeug und Celesta
Widmung Der amerikanischen Harfenistin Edna Phillips gewidmet
Uraufführung 1965, Philadelphia Orchestra, Nicandor Zabaleta, Harfe, Leitung: Eugene Ormandy
Spieldauer Ca. 24 Minuten