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Tschaikowsky: Symphonie Nr. 5
Moskau
im Jahre 1888. Anders als die Vertreter der national-russischen Schule sah sich Tschaikowsky in der klassisch-romantischen Tradition Beethovens, Schumanns und Mendelssohns. Er wollte eine auf der ganzen Welt veständliche Musik scheiben - ein Anspruch, der sich noch zu seinen Lebzeiten erfüllte.

Seine letzten drei Symphonien verstand Tschaikowsky als "Schicksals-Symphonien" nach dem Vorbild der Fünften von Beethoven. Vor allem die Vierte und die Fünfte folgen Beethovens Idee "per aspera ad astra" ("durch Nacht zum Licht"): Nach einem dramatischen Beginn arbeiten sich die folgenden Sätze allmählich zum sieghaften Finale durch. Wie sein großes Vorbild veranschaulichte Tschaikowski diese Entwicklung durch ein Leitmotiv, das sich im Verlauf der vier Sätze von einem Trauermarsch, der "vollständigen Beugung vor dem Schicksal" (Tschaikowsky), zu einem hymnischen Triumphmarsch wandelt. Dieser Leitgedanke eröffnet in der langsamen Einleitung die Symphonie, vorgetragen von den Klarinetten in tiefer Lage. Der folgende Hauptteil greift das Motiv dann nicht mehr auf, gibt sich aber bis auf vereinzelte Aufhellungen dramatisch-zerrissen. In ständigen Steigerungen drängt der Satz vorwärts, verebbt dann jedoch im Pianissimo. Das Andante cantabile beginnt mit choralartigen Akkorden der Streicher. Es folgt eine lyrische, weit aussingende Hornmelodie, die eine etwas bewegtere der Oboe gegenübergestellt wird. Auf dem Höhepunkt des Satzes bricht überraschen das Schicksalsmotiv in diesen Themenkreis ein und erklingt noch einmal kurz vor Schluß dieses Andantes. Unbeschwert gibt sich das Scherzo, dessen elegante Walzer-Melodie an die Ballettmusiken des Komponisten erinnert. Das Schicksalsthema erscheint hier nur in der Coda, leise und drohend in Klarinetten und Fagotten. Auch dem Finale ist das Schicksalsthema in einer langsamen Einleitung den Themen des folgenden Hauptteils lediglich vorangestellt, stellt sich jedoch bald, als kraftvolles Hauptthema, in den Mittelpunkt des Geschehens und führt die Symphonie zu einem triumphalen Schluss.

[Dr. Wolfgang Doebel]