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L. Janacek - 'Sinfonietta'
Obwohl Leoš Janáček nur 13 Jahre jünger als Antonín Dvořák war, wendet sich seine Musik bewusst vom romantischen Stil ab. Statt großer melodischer Bögen verwendet sie kleinzellige melodische oder rhythmische Bausteine, die durch Wiederholung und gleichzeitige Hinzufügung von Neuem zu größeren musikalischen Gebilden ausgebaut werden. Beeinflusst ist diese Kompositionsweise auch von der böhmischen Sprache, deren Tonfall und Nuancenreichtum Janáček gründlich studierte.

Die Sinfonietta entstand 1926. Die Erläuterungen, die Janáček nachträglich den einzelnen Sätzen gab, zeigen die enge Beziehung der Sinfonietta zu seiner Heimatstadt Brünn. Zudem sind sie Ausdruck der starken patriotischen Gefühle Janáčeks, der sich zeitlebens für die Unabhängigkeit seiner Heimat von der österreichisch-ungarischen Monarchie einsetzte.
„Und da gewahrte ich die Stadt in wunderbarer Verwandlung. In mir schwand der Widerwille gegen das düstere Rathaus, der Haß gegen den Berg, in dessen Eingeweiden so viel Schmerz gebrüllt hatte, die Abneigung gegen die Straße und was in ihr gewimmelt hatte. Über der Stadt der Lichterglanz der Freiheit, die Wiedergeburt des 28. Oktober 1918! Ich konnte mich an dem Glanz nicht sattsehen, ich war ein Teil von ihm. Und das Schmettern sieghafter Trompeten, die heilige Ruhe des im Hohlweg versunkenen Königinnen-Klosters, die nächtlichen Schatten und die Atemzüge des grünen Berges und die Vision des sicheren Aufschwungs und der Größe der Stadt erstanden in meiner Sinfonietta aus dieser Erkenntnis, aus meiner Stadt – Brünn!“

Leoš Janáček

* 3. Juli 1854 in Hukvaldy/Nordmähren (Tschechien)
12. August 1928 in Ostrava (Mährisch-Ostrau)

Entstehung März 1926 in Prag
Besetzung Großes Symphonieorchester mit 19 Blechbläsern, Pauken, Becken, Glocken und Harfe
Widmung Gewidmet der Musikschriftstellerin Rosa Newmarch, die sich besonders um die russische und die tschechische Musik verdient gemacht hatte
Uraufführung 26. Juni 1926, Prag, Tschechische Philharmonie, Leitung: Václav Talich
Erstdruck Universal-Edition, Wien 1926
Spieldauer ca. 23 Minuten